Wertermittlung

Was ist mein Haus wert?

Der Preis ist die einzige Entscheidung beim Verkauf, die sich später kaum noch korrigieren lässt. Wer zu hoch startet, verbrennt die ersten Wochen und verkauft am Ende oft unter Wert. Hier stehen die drei anerkannten Verfahren, die kostenlosen amtlichen Datenquellen und die ehrliche Einordnung, was ein Online-Rechner kann und was nicht.

10 Minuten LesezeitZuletzt geprüft am 7. August 2026

Verkehrswert, Marktwert, Angebotspreis

Drei Begriffe, die durcheinandergehen und drei verschiedene Zahlen meinen.

  • Verkehrswert. Gesetzlich definiert im Baugesetzbuch: der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre, ohne ungewöhnliche oder persönliche Umstände. Marktwert ist dasselbe, nur anders benannt.
  • Angebotspreis. Was jemand verlangt. Steht in Portalen und ist keine Information über den Wert, sondern über die Erwartung des Anbieters.
  • Kaufpreis. Was am Ende beim Notar beurkundet wurde. Die einzige Zahl, die wirklich zählt, und die einzige, die nicht öffentlich in Portalen steht.

Das ist der häufigste Fehler bei der eigenen Einschätzung: Menschen vergleichen ihr Haus mit Angebotspreisen aus Portalen. Diese Preise enthalten die Verhandlungsspanne, und in vielen Regionen liegen die tatsächlichen Kaufpreise spürbar darunter. Wer so kalkuliert, startet systematisch zu hoch.

Die drei anerkannten Verfahren

Die Immobilienwertermittlungsverordnung kennt drei Wege. Welcher passt, hängt vom Objekt ab, nicht vom Geschmack.

Vergleichswertverfahren

Der Wert wird aus tatsächlichen Kaufpreisen ähnlicher Objekte in vergleichbarer Lage abgeleitet. Das ist das aussagekräftigste Verfahren und der Standard bei Eigentumswohnungen und typischen Einfamilienhäusern in Siedlungslage. Voraussetzung sind genügend Vergleichsfälle, und daran scheitert es bei ungewöhnlichen Objekten.

Sachwertverfahren

Bodenwert plus Herstellungskosten des Gebäudes, abzüglich Alterswertminderung. Wird genommen, wenn es zu wenig Vergleichsfälle gibt, also bei besonderen Häusern, in dünn besiedelten Regionen oder bei sehr individueller Architektur. Es bildet ab, was der Neubau kosten würde, nicht unbedingt, was jemand zu zahlen bereit ist.

Ertragswertverfahren

Der Wert ergibt sich aus den nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen. Standard bei vermieteten Objekten und Mehrfamilienhäusern. Für ein selbst bewohntes Einfamilienhaus ist es das falsche Verfahren, wird aber von Onlinerechnern gelegentlich trotzdem angewandt.

In der Praxis rechnet man oft zwei Verfahren und vergleicht. Liegen Vergleichswert und Sachwert weit auseinander, ist das kein Fehler, sondern eine Information: Dann ist entweder die Lage sehr stark oder das Gebäude ungewöhnlich, und der Markt entscheidet, welche der beiden Zahlen näher an der Wahrheit liegt.

Wo Sie kostenlos an echte Daten kommen

Die belastbarsten Quellen sind amtlich, kostenlos oder sehr günstig, und kaum jemand kennt sie.

QuelleWas Sie bekommenKosten
Bodenrichtwertportale der Länderamtlicher Bodenwert je Quadratmeter für Ihre Lagemeist kostenlos
Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschussesausgewertete Kaufpreise Ihres Kreises, mit Vergleichsfaktoren und Preisentwicklungkostenlos bis rund 50 €
Auskunft aus der Kaufpreissammlungtatsächlich gezahlte Preise vergleichbarer Objekteje nach Kreis, meist zweistellig

Der Gutachterausschuss ist der entscheidende Punkt. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt hat einen, und er bekommt von den Notaren eine Abschrift jedes Kaufvertrags. Er sitzt damit auf den einzigen vollständigen und echten Preisdaten in Deutschland. Portale haben diese Daten nicht.

Was Online-Rechner können und was nicht

Sie sind nicht wertlos, aber sie sind etwas anderes, als sie zu sein vorgeben. Ein Onlinerechner nimmt Baujahr, Fläche, Zimmerzahl und Postleitzahl und rechnet daraus eine statistische Spanne. Das ergibt eine brauchbare erste Hausnummer.

Was er nicht kann:

  • Den Zustand beurteilen, und der macht bei älteren Häusern den größten Unterschied
  • Die Mikrolage erfassen, also die Frage, ob Sie an der Durchgangsstraße oder in der Sackgasse dahinter wohnen
  • Zuschnitt, Ausrichtung und Lichtverhältnisse bewerten
  • Sanierungsstau erkennen, den er nicht sieht

Und der Punkt, den man wissen sollte: Die meisten kostenlosen Online-Bewertungen sind Gewinnung von Kontaktdaten für Makler. Die Zahl ist das Lockmittel, Ihre Telefonnummer ist das Produkt. Rechnen Sie damit, danach angerufen zu werden, und zwar über Monate. Wer das nicht will, nimmt die amtlichen Quellen oben.

Wann sich ein Gutachten lohnt

Für einen normalen Verkauf brauchen Sie keines. Ein Käufer richtet sich nach dem Markt und nach dem, was seine Bank finanziert, nicht nach Ihrem Gutachten.

Sinnvoll wird es, wenn eine dritte Partei die Zahl akzeptieren muss:

  • Erbauseinandersetzung. Wenn Miterben ausgezahlt werden und niemand das Gefühl haben soll, übervorteilt zu werden.
  • Scheidung. Dieselbe Lage zwischen zwei Parteien, die sich uneins sind.
  • Gegenüber dem Finanzamt. Wenn Sie einen niedrigeren Wert nachweisen wollen, als das Finanzamt pauschal ansetzt.
  • Vor Gericht. Dort zählt nur das Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.
Richtwerte, abhängig vom Objektwert und vom Aufwand.
Kurzgutachten500 bis 1.000 €
Vollgutachten, gerichtsfest1.500 bis 3.000 €

Für den Verkauf selbst ist der bessere Weg, den Preis aus echten Vergleichsdaten abzuleiten und in den ersten Wochen genau zu beobachten, wie der Markt reagiert. Wie lange eine Anzeige Aufmerksamkeit bekommt und warum die ersten drei Wochen entscheidend sind, steht im Zeitplan zum Hausverkauf. Genau diese Preisermittlung mit amtlichen Bodenrichtwerten und echten Vergleichsdaten macht SelbstVerkaufen für Sie, und Ihre Telefonnummer geht dabei an niemanden.

Häufige Fragen

Was ist mein Haus wert?

Der Wert ergibt sich aus tatsächlich gezahlten Kaufpreisen vergleichbarer Objekte in Ihrer Lage, nicht aus Angebotspreisen in Portalen. Die belastbarste kostenlose Quelle ist der Gutachterausschuss Ihres Kreises: Er führt die Kaufpreissammlung aller notariellen Verträge und veröffentlicht daraus Bodenrichtwerte und Vergleichsfaktoren.

Wie ermittle ich den Verkehrswert einer Immobilie?

Über eines von drei Verfahren. Bei Eigentumswohnungen und typischen Einfamilienhäusern das Vergleichswertverfahren, bei besonderen oder selten gehandelten Objekten das Sachwertverfahren, bei vermieteten Objekten das Ertragswertverfahren. Welches passt, hängt davon ab, ob genügend Vergleichsfälle existieren.

Ist eine Immobilienbewertung wirklich kostenlos?

Kostenlose Online-Bewertungen sind fast immer Lead-Generierung für Makler: Sie geben Ihre Kontaktdaten an und werden danach angerufen. Die Schätzung selbst ist eine automatisierte Hochrechnung. Wirklich kostenlos und ohne Gegenleistung sind die Bodenrichtwerte der amtlichen Portale und die Grundstücksmarktberichte der Gutachterausschüsse.

Was kostet ein Verkehrswertgutachten?

Ein vollständiges Gutachten eines öffentlich bestellten Sachverständigen kostet je nach Objektwert meist zwischen 1.500 und 3.000 Euro. Ein Kurzgutachten liegt bei 500 bis 1.000 Euro. Für einen normalen Verkauf braucht es beides nicht, wohl aber bei Erbauseinandersetzung, Scheidung oder gegenüber dem Finanzamt.

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